Lecker Schmecker Vegan Essen! auf einer größeren Karte anzeigen
geschrieben am 05.05.2013 um 04:06 Uhr - 3 Kommentare - Share:

Wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, gibt es einige elementare Sachen, die dafür sorgen, dass man eben jene Beziehung aufrecht erhalten will und mag.
Jede Person hat da sicherlich ihre Favoriten, wie sich Melden, einem bei der Begrüßung exakt 3 Wangenküsschen zu geben oder uneingeschränkte Hingabe.
Eine universelle und essentielle Sache, die wohl Grundlage jeder Beziehung sein sollte, ob nun Freundschaft, Partnerschaft, Familie, Arbeitskolleg_innen oder Telefonbeschwerdehotline, ist Respekt. Ohne geht halt nichts.
Jetzt fragen sich sicher einige, ob ich auf Sozialpädagogik gewechselt hab und es hier jetzt immer Essays anstatt Essen gibt. Natürlich nicht. Sozialunsinn juckt mich natürlich nicht.
Aber leider scheint eine vegane Lebensweise Beziehungen mehr oder weniger zu belasten und schnell sind dann die Veganer_innen bei Respekt oftmals raus.

Das klingt jetzt erst mal so, als würden alle Veganer_innen, sobald sie sich outen, nur noch mit Verachtung gestraft und ausgepeitscht werden, sobald es nur um irgendwas mit Essen geht. Nicht ganz so, aber fast.

In meinem persönlichen Umfeld sind großartig negative Reaktionen auf meine vegane Lebensweise zum Glück sehr selten und ich bin da sicherlich kein Einzelfall. Trotzdem lese ich aber in letzter Zeit öfters von Veganer_innen, denen wenig bis gar kein Respekt bezüglich ihrer Lebensweise entgegen gebracht wird.
Die ganzen knallharten Menschen mit einem Herz aus Eis zucken bei der Problematik wohl kaum mit der Wimper und entgegnen den Stressleuten ein einfaches "Deal with it or go home!".
Aber nicht jeder fühlt sich wohl in der Rolle des Essensantis und traut sich in so einer Situation zu kontern.

Überall, wo man rumhängt, lauern Leute, die Veganismus für total gestört halten, die niemals auch nur einen Tag ohne Fleisch und Käse leben wollen und die Ethik für irgendein fieses Gemüse halten, was man nur bei den Barfußhippies im Nachbardorf kaufen kann.
Solche Leute sind sich auch nicht zu schade, andere mit dem dümmsten und ätzendsten Kram zu belästigen und einem unbedingt den Extravurststempel notfalls mit Gewalt aufzudrücken.
Das fängt an bei blöden Blicken, wenn man sein Butterbrot ohne Wurst und Käse rausholt, über blöde Blicke, wenn man seine Stulle mit veganer Wurst und veganem Käse rausholt, bis zu wirklich extremem Stress in Essenssituationen.
Ich meine damit nicht diese blöden Sprüche, die wohl wirklich jede_r Veganer_in ständig bis öfters hört und leicht wegignorieren kann. Sondern ich denke da an Menschen, die einem wirklich das Leben schwer machen.

Da gibt es die Oma, deren gutbürgerliches Essen man in keinster Weise kritisieren darf, weil es einen Zyklon epischen Ausmaßes gibt, wenn man anmerkt, dass man doch bitte das Gemüse nicht noch extra in Butter geschwenkt haben möchte.
Der Partner, der mehr Extrawürste hat als ein fructoseintoleranter Veganer mit Glutenunverträglichkeit und Sojaallergie, aber dessen Essgewohnheiten absolut kein Problem darstellen und man sich wunderbar danach richten kann, weil er ja Fleisch und Käse isst und somit reinpasst.
Der Freund, der nicht mal in Restaurants gehen will, in denen man als Veganer_in auch mehr als Pommes + Ketchup bekommt, weil es da dann ja sicher nichts für ihn zu essen gibt und das geht ja echt mal gar nicht.
Die Schwägerin mit Bruder und Kindern, die vor dem 3-Gänge Menu, zu dem sie eingeladen wurden, extra essen gehen, damit sie nicht verhungern müssen oder den ekeligen veganen Kram essen und daran krepieren müssen. (Kinder dürfen nicht vegan essen, weil dann werden die hässlich, dumm und sterben!!!)
Die Freundin, die sich zum abendlichen Besuch Wurst mitbringt und einen als intolerant beschimpft, weil man kein Fleisch in der Wohnung haben will.
Der Kumpel, der nur mit einem den Abend verbringen will, wenn man auch garantiert blutig triefendes Fleisch für den Grill am Start hat, weil ohne das komplette Treffen ruiniert ist.
Die Arbeitskollegen, die kein Stück vom mitgebrachten Geburtstagskuchen essen wollen und andere mitgebrachte Essenssachen oder Süßkram mit einem "Ih, das ist vegan??? Dann esse ich das nicht mehr!" kommentieren.
Der Imbissbudenmitarbeiter, der sich aufregt, weil man etwas unveganes nicht trotzdem essen will und es zurückgehen lässt.
Meine Vorstellungskraft ist beschränkt, die Liste aber leider nicht.
Und das sind nur die Beispiele, die ich kenne und die mich teilweise ziemlich schockiert haben.
Wirklich traurig gemacht hat mich dann aber, dass einige Veganer_innen von so einem Verhalten wirklich eingeschüchtert werden.

Wenn man sich nicht mal mehr traut zu sagen, dass man kein Fleisch essen oder es in der eigenen Wohnung haben will und dann nachher traurig mit schlechtem Gewissen da sitzt, dann läuft irgendwas falsch.
Ich weiß selber, dass es manchmal wirklich schwer und anstrengend ist, wenn man gegen den Strom schwimmt. Manche Leute haben sich einfach daran gewöhnt und sich einen Idiotenpanzer angelegt, andere sind so badass und punk, dass sie es sogar cool finden.
Und dann sind da halt die Leute, die immer nur schlucken, weil sie keinen Streit und keine Konfliktsituation heraufbeschwören wollen, da sie ja so schon eine Belastung für ihre Umwelt sind.
Leute, die sich unwohl fühlen, traurig und unzufrieden sind, die sowas alles fertig macht und die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen und wie sie handeln sollen.
Genau diese Personen sollten sich jetzt von dem folgenden Peptalk angesprochen fühlen und die anderen, die immer mal gerne etwas Pep haben, natürlich auch!

Liebe Neuveganer_innen, Altveganer_innen, Teilzeitveganer_innen und Vegetarier_innen, die sich wegen solchen Sachen nicht trauen vegan zu leben:
Besorgt euch Rückgrat.
Bionik-Körperteile sind mittlerweile gar nicht mehr so teuer und sie verhelfen zu Wundern!
Die ganzen Leute in meinen Beispielen sind einfach Penner. Pissnelken. Kotzkrücken.
Niemand erwartet von denen die eigene 100%ige Veganität, sondern eben einfach nur etwas angemessene und selbstverständliche Höflichkeit.
Ein Abendessen ohne Fleisch aushalten. Die Sahne erst auf das Gemüse packen, wenn der vegane Gast(!) schon was genommen hat. Keinen Aufstand, wenn man sich selber was zu essen mitbringt, weil man eben kein extra veganes 3-Gänge Menu verlangt. Ein Restaurant weiter gehen, weil es im Brauhaus nicht mal wirklich etwas vegetarisches gibt.
Jede Person, der etwas an einem liegt, wird diese einfachen Sachen auf die Kette kriegen. Dir zuliebe.
Weil deine Anwesenheit und Gesellschaft viel cooler ist, als das 7. Stück Fleisch an dem Tag.
Seid knallhart wie Stahl und wenn euch jemand mit Antiveganismus anschlotzt, muss das abperlen wie von einem Lotusblatt.
Fordert das ein, was euch als Gesellschaftsteilnehmer_in zusteht!
Und wenn das nicht klappt, hilft immer ein "Wir müssen reden. Es liegt an dir, nicht an mir.".

Ernsthaft. Wenn man eine Allergie hat oder auch nur einfach irgendwas nicht mag, ist das meistens weder ein Problem noch ein großartiges Gesprächsthema, wozu es großartige Diskussionen gibt.
Niemand lädt jemandem zum Essen ein, um dann ein Menü komplett aus Sachen zu kochen, die der Gast bekanntlich nicht mag und sich dann darüber zu beschweren, dass der Gast nichts davon essen will.
Es ist für die meisten ebenfalls recht abwegig als zum Essen eingeladener Gast kurz vorher noch schön an der Pommesbude vorbei fahren.
Auch würde wohl so gut wie niemand auf die Idee kommen, als Gast in einer Nichtraucherwohnung eine komplette Schachtel durchzuqualmen. Jede einigermaßen nach Knigge erzogene Person fragt bei Eintritt in eine Wohnung, ob sie die Schuhe ausziehen soll.
Warum gibt es dann Stress bei einer veganen Lebensweise? Meinen diese Leute, dass sie einen mit Missachtung wieder auf den rechten Weg bringen können? Gruppenzwang ahoy?
Ist die alleinige Gegenwart einer veganen Person schon zu viel Missionierung, dass man so reagieren muss?
Oder ist das ein lustiges Hobby es den komischen nicht-mainstream Freaks nicht zu leicht zu machen? Selber Schuld, wenn man so blöd ist und auf Tierprodukte verzichtet?

Ich will nicht komplett abstreiten, dass es manchmal wirklich etwas stressig und anstrengend für Omnis sein kann, wenn man in der Praxis mit Veganismus konfrontiert wird.
Und ich würde auch jede vegane Person, die überall, wo sie sich aufhält automatisch eine große super Extravurst erwartet, ähnlich ansprechen.
Sprecht euch ab. Bringt selber veganes Essen mit. Zeigt den Menschen, dass es tolles veganes Essen gibt. Erklärt, wie man ein Gericht mit einem kleinen Handgriff auch für alle hinkriegt. Überlegt euch schon vorher mögliche Alternativen.
Und wichtig: Sprecht klare Grenzen aus und steht hinter eurer Einstellung!
Wenn ihr die Suppe mit Sahne drin trotzdem esst, anstatt nett aber bestimmt zu sagen, dass man das so nicht essen möchte, dann wird sich da auch nicht viel ändern.
Sollte das aber trotz allem nicht mit dem Mindestmaß an Rücksichtsnahme klappen, hilft wohl alles nichts.
So gern ihr eine Person mögt und vielleicht sogar liebt: Wenn eure Bedürfnisse und die Sachen, die euch wichtig sind, einfach ignoriert werden oder sogar noch extra dagegen gearbeitet wird, solltet ihr euch überlegen, ob die Beziehung zu dieser Person noch Sinn macht. Auch muss man nicht das Klischee der schrecklichen Familienfeiern, zu denen man gezwungen wird, nachleben. Familie kann man sich im Gegensatz zu Freunden nicht aussuchen, aber man kann sich immer noch aussuchen, mit wem man rumhängt.

Falls der Peptalk gewirkt hat und ihr jetzt das Bedürfnis habt zu handeln, empfehle ich ne Runde Karaoke. Und halt auch weils cool ist :-)


Kommentare

Melea

05.05.2013 um 08:46 Uhr
Sehr schöner Text, hat Spaß gemacht ihn zu lesen.

Der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier, der sich am liebsten in der Herde aufhält (Ausnahmen gibt es auch hier).
Wenn da jetzt einer ankommt und das System, das alles zusammenhält, anzweifelt wird erst mal geschossen. Denken kommt später. Die Meisten haben auch eine ganze Schublade unnütze Vorurteile angesammelt die diese Person im Kreuzfeuer erst mal aus dem Weg räumen muss.

Schlussendlich ist der Mensch nur teilweise so intelligent und human wie er gerne sein will.

LG Melea :)

Parminder Kaur

05.05.2013 um 12:03 Uhr
Sehr schön geschrieben und sehr wahr.
Denke wenn jeder offen mit dem anderen Menschen umngeht und dies auch noch respektvoll wäre diese Welt kein schlechter Ort.
Mir ist es ziemlich egal was die Leute von mir denken und reden. Es gibt aber auch sicherlich Ausnahemn. Muiss aber auch zugeben, das ich nicht solche "Extremfälle" wie da oben erleben musste.
Vielen Dank für die klaren Worte.

rob

22.03.2014 um 20:39 Uhr
Genau so isses. Leute, die ein bisschen veganismus nicht tolerieren koennen, sind loser und sollten hart an sich arbeiten.

Ein grund dafuer ist vielleicht, dass im (ethisch motivierten) veganismus des anderen oft eine kritik des eigenen verhaltens gesehen wird, selbst wenn kein wort in die richtung gesagt wird. Tja. Sollte man dann vielleicht mal drueber nachdenken, ob das eigene verhalten unter umstaenden tatsaechlich kritikwuerdig ist. Leider erkennen die leute wohl ihre eigenen abwehrreflexe nicht. Mir fallen dann immer krasse metaphern zur verdeutlichung ein, die ich mir aus respekt (da haben wir\\\'s wieder!) vor den begrenzten transferfaehigkeiten der meisten menschen dann aber leider verkneifen muss. Aber: man sollte der ignoranz nicht nachgeben sondern ein mindestmass an respekt einfordern.

Schade finde ich es dann immer, und das passiert oft, wenn die fleischverweigerer dem konflikt aus dem weg zu gehen versuchen indem sie so was sagen wie: \\\"Ich ess was ich will und du isst was du willst, darf jeder selbst entscheiden.\\\"
Das darf er naemlich ganz und gar nicht! Wen ich fuer mein essen ermorden lasse ist nun mal nicht meine privatangelegenheit. Wenn das so waere, dann koennte ich ja aus neugier auch mal den kannibalismus antesten, vielleicht schmeckt menschenfleisch ja noch viel geiler. Muss ja keiner mitessen, wenn er das nicht ok findet! Und das ist offensichtlich bloedsinn. Daher wuensche ich mir, dass diese \\\"appeasement politik\\\" gegenueber omnivoren unterbleibt. Wer diskussionen anfaengt, obwohl er im unrecht ist, der hat eben pech.

(Dass ich selbst bisher nur vegetarier bin aendert nichts an der wahrheit meiner obigen aussagen - die probleme meines eigenen lebensstils sind mir bewusst und deswegen respektiere ich die leute, die diese probleme bei sich geloest haben, eher noch mehr, und nicht weniger.)

In einem punkt bin ich aber anderer meinung:

\\\"Die Arbeitskollegen, die kein Stück vom mitgebrachten
Geburtstagskuchen essen wollen und andere mitgebrachte
Essenssachen oder Süßkram mit einem \\\"Ih, das ist
vegan??? Dann esse ich das nicht mehr!\\\" kommentieren.\\\"

Super! Bleibt mehr fuer mich :-)
(PS: wann hast Du denn geburtstag? ;-)


Oooookay... noch mal zu der rechenaufgabe hier... ich bin jetzt 100% sicher, dass da ein bug drin ist. Oder zumindest ist sie nicht robust gegenueber \"javascript erst nach dem laden der seite zugelassen\"... denn dass 15 + 5 = 20 ist, darauf bestehe ich. Mein taschenrechner wuerde mir zustimmen.

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